Beachhandball: Zurück im Sand
In Bremen-Arsten befindet sich einer der acht nationalen Beachhandball-Trainingsstützpunkte – ein Besuch

Bremen. Nach und nach füllt sich die Tribüne vor den Sandfeldern mit Sportlern in roten Trikots. Auf deren Rückseite steht in großen weißen Buchstaben „Deutschland“ geschrieben. Trainer Marten Franke begrüßt die Frauen, Männer, Mädchen und Jungen mit einem lockeren „Moin“, wenn sie ankommen. Manche der Spieler hat Franke erst einmal gesehen, andere kennt er noch gar nicht. Die Stimmung vor dem Training ist entspannt, besonders die jüngeren Teilnehmer albern ein bisschen herum, bevor Franke die Beachhandball-Nationalspieler aufs Feld ruft.

Es ist das zweite Training am Beachhandball-Stützpunkt auf dem Gelände des TuS Komet Arsten, das in dieser Form stattfindet. Der Deutsche Handball-Bund hat vor Kurzem beschlossen, ab Juni ein Stützpunkt-System einzuführen, um den Handballern trotz Corona-Pandemie ein Training zu ermöglichen. Die Spieler aus den Beachhandball-Nationalmannschaften fahren deshalb zu einem der acht jeweils nächstgelegenen Stützpunkte und trainieren nicht in ihren Mannschaften in Lehrgängen, wie es sonst für die Sportart üblich ist. Das Kuriose: Die Mannschaften sind komplett gemischt, es gibt also keine Trennung zwischen Jugend, Senioren, männlich oder weiblich. „Gerade ist es egal, wer von wem den Auftakt-Pass bekommt. Das Wichtigste ist, wieder in den Sand zu kommen“, sagt Franke, der selbst bei den „Nordlichtern“ Beachhandball spielt.

Die Spieler stehen im Kreis, als Marten Franke das Training einleitet, zwischen ihnen jeweils etwa eineinhalb Meter Abstand. 16 Handballer sind an diesem Tag da, insgesamt trainieren 21 am Stützpunkt in Bremen. „Zu zweit einen Ball und Warmpassen“, lautet die Anweisung. Und: „Denkt daran, die Abstände einzuhalten.“ Schnell formen sich die Zweiergruppen und fangen an, kreuz und quer über den Sandplatz zu laufen. Anschließend folgen Koordinationsübungen, kombiniert mit Krafttraining.

Auch für den Trainer ist die Situation ungewohnt, er trainiert normalerweise die männliche U 16-Beachhandball-Nationalmannschaft. „Ich habe im weiblichen Bereich noch nie gearbeitet“, sagt er. Dennoch sei er, so Franke, positiv überrascht gewesen, wie gut das Training auf Anhieb geklappt habe. Seit Januar haben die meisten Spieler keinen Fuß mehr in den Sand gesetzt, wegen der Corona-Pandemie wurden die Wettbewerbe und die Lehrgänge in den vergangenen Monaten abgesagt. Stattdessen gab es Online-Unterricht für die Beachhandballer.

Nick Horstmann (16) ist einer von ihnen, er war bereits beim ersten Training dabei. „Das war echt anstrengend“, erzählt er, aber das spiele keine große Rolle für ihn, wenn er nach wochenlanger Pause nun wieder den Ball in die Hand nehmen kann. Er freue sich, dass es wieder richtig losgehen kann. In den vergangenen Monaten bestand das Training für Horstmann und seine Mannschaftskollegen vor allem aus Ausdauerläufen oder Krafttraining. Wie die anderen Beachhandballer spielt Horstmann in einer Hallenhandballmannschaft, auch dort hat das Training erst vor Kurzem wieder begonnen.

Doch Handball im Sand, das ist noch mal etwas anderes. Das sieht man, wenn man den Sportlern bei ihrem Training zusieht. Nach 15 Minuten perlt ihnen der Schweiß von der Stirn und sie schnaufen laut. Kein Wunder: Marten Franke hat keine Gnade mit ihnen, Ausnahmezustand hin oder her. Eine Sprintübung folgt der nächsten, nur kurze Trinkpausen legt der Trainer zwischendurch ein. Ob er durch diese besondere Situation einen Nachlass in der Disziplin bemerkt habe? „Nein, die Spieler sind genauso leistungswillig wie immer. Es ist eine Ehre für sie, in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen, sie nehmen das Training deshalb sehr ernst.“ Wenn sich an den aktuellen Beschlüssen des DHB nichts ändert, finden im September die Jugend-Europameisterschaften statt. Das ist Motivation genug.

Es ist warm an diesem Montagabend und ein wenig stickig. Geht es nach Marten Franke, ist es das ideale Wetter für ein Beachhandball-Training. „Die Spieler müssen es gewohnt sein, bei Hitze zu spielen. Die Turniere werden oft in noch viel wärmeren Ländern ausgetragen“, erklärt er. Das wichtigste sei, dass es trocken ist, weil der Ball sonst nicht mehr so griffig ist – schließlich gibt es beim Beachhandball kein Harz. Im Anschluss an die Sprintübungen folgt das Technik-Training, es ist eine der wichtigsten Einheiten im Beachhandball. Schließlich zählt ein Tor im Wettbewerb doppelt, wenn es durch einen Trickwurf erzielt wurde. Also teilt der Trainer die Spieler in zwei Gruppen auf und gibt ihnen vor, vor dem Wurf eine Pirouette zu drehen. Die lange Pause scheint sich kaum bemerkbar zu machen: die Bälle landen zum großen Teil nach der 360-Grad-Drehung zielsicher in einer Torecke.

Normalerweise würde Marten Franke nach dem Wurftraining noch ein paar Abwehr-Angriff-Übungen einlegen und ein Spiel simulieren. Das geht durch die Corona-Regelungen nicht, auch wenn Beachhandball im Vergleich zum Hallenhandball ohnehin deutlich kontaktloser ist. Eins steht aber fest: Die Kondition und die Technik sind nach dem zweistündigen Training zumindest schon mal aufgefrischt.

Fotos: Frank Thomas Koch

Nächste Spieltermine

 

9:00
D-Jugend

ATSV Habenhausen — HC Bremen

16:00
B-Jugend

HC Bremen — TV Bissendorf

19:30
1. Herren

HC Bremen — TSG Hatten-Sandkrug

13:30
B-Jugend 2

HV Lueneburg — HC Bremen

14:30
A-Jugend

THW Kiel — HC Bremen