Bremer Beachboys im Gefühlschaos
Torben Knop und Miro Schluroff gewinnen mit der U-18-Nationalmannschaft die Europameisterschaft im Beachhandball - für sie immer noch unbeschreiblich und überwältigend.

Bremen. Europameister im Beachhandball, das ist für Torben Knop und Miro Schluroff immer noch unfassbar. Die beiden Bremer „Beachboys“ im Dress der U 18-Nationalmannschaft rasselten bei der Übergabe der Goldmedaillen im montenegrinischen Ulcinj geradewegs in ein Gefühlschaos hinein. Torben Knop schmetterte bei der Siegerehrung die Nationalhymne voller Inbrunst aus sich heraus, als müsse er den Titel vor den 800 Zuschauern noch einmal mit voller Phonstärke verteidigen. Miro Schluroff schien dagegen eher ein Kloß im Hals zu stecken – er war deutlich ruhiger und auf seine Art tief bewegt.

„Das ist überwältigend, unbeschreiblich!“, gestattet der in Findorff wohnende Knop einen Einblick in sein Seelenleben. Der Habenhauser Schluroff hatte für die Europameisterschaft im Sand sogar seinen lange geplanten Griechenlandurlaub storniert und wurde dafür reichlich entschädigt. „Der wird zwar jetzt teurer und es geht einige Zeit später nach Mallorca, das ist es aber auch alles wert“, strahlt er.

Mehrfach schauten sie sich die um den Hals baumelnde Goldmedaille an, auch die Europameisterschale wollte berührt und festgehalten werden – inklusive Fotos natürlich, da sich alles immer noch nicht real anfühlt. Als die beiden am Bremer Hauptbahnhof ankamen, waren sie fix und fertig und wollten nur noch eins: ab ins Bett. „Ich habe ja auch keine vier Stunden geschlafen“, verriet Torben Knop. Miro Schluroff, der beim ATSV Habenhausen groß geworden ist und in der Halle für den Bundesliga-Aufsteiger SG HC Bremen/Hastedt spielt, krächzte selbst einen Tag später noch ob der überstrapazierten Stimmbänder.

Das Bremer Duo hatte im zehnköpfigen DHB-Aufgebot nahe der Grenze zu Albanien keine Augen für die Strandidylle gehabt, die die Adria nur wenige Meter hinter ihren Wettkampfplätzen bot. Es wollte mit der deutschen Nationalmannschaft nach der Bronzemedaille im vergangenen Jahr dieses Mal mindestens wieder Edelmetall holen, gerne noch etwas mehr. Dem galt die volle Konzentration, darauf waren alle Spieler komplett fokussiert.

Torben Knop machte dafür sogar die Metamorphose vom Torwart zum Abwehrspieler durch. Der Bartträger, der in der Halle bei der SG Findorff lange Zeit nach dem Ball gegriffen hat und beim A-Jugend-Bundesliga-Absteiger HSG Grüppenbühren/Bookholzberg spielt, hatte bei der EM im vergangenen Jahr die Bronzemedaille bekommen, ohne auch nur eine Sekunde auf dem Feld zu stehen. Zu überragend hatte der DHB-Keeper Moritz Ebert gehalten, der diesmal zum besten Torwart der Europameisterschaft gewählt wurde.

Macht nichts: Knop wurde kurzerhand zum Abwehrspieler umgeschult, der sich mit seinen 1,98 Metern auch den Sprungball beim Anwurf eines jedes Satzes oft effektiv erkämpft. Er war im Test beim „Karacho-Beach-Cup“ in Kelkheim sogar zum besten Verteidiger des Turniers gewählt worden. „Das ist eine super Entwicklung und eine geile Idee, weil ich quasi einen Spieler mehr habe und keinen Torwart draußen parken muss“, lachte der Bundestrainer Konrad Bansa zufrieden. Torben Knop findet es ohnehin gut: „Es ist cool, als Torwart im Feld spielen zu dürfen.“ Sein Vorteil ist es, dass er sich als gelernter Schlussmann wagemutiger zum Blocken in die gegnerischen Würfe schmeißt und sich bei Rückraumwürfen auch besser auf den Ball konzentrieren kann als die Feldspieler.

Noch ist es möglich, dass die deutsche Mannschaft bei den Youth Olympic Games, den Olympischen Spielen für junge Leute, Anfang Oktober in Buenos Aires starten darf. Ansonsten ist die Karriere für die U18-Spieler in der Junioren-Nationalmannschaft vorbei. Es geht für sie im Männerbereich weiter, bei deren erstem Lehrgang Miro Schluroff in der Reserve steht. Torben Knop wurde noch nicht berücksichtigt. „Mein Fokus liegt aber in der Halle, ich möchte dort gerne Profi werden“, betont Miro Schluroff.

Hoffnung auf Olympia 2024

Anfangs als Fun-Sport angesehen, hofft die immer professioneller gewordene Sportart auf die Zulassung für Olympia 2024. Beachhandball wird auf einem 27×12 Meter (Halle 40×20) großen Sandfeld gespielt, der Torraum ist rechteckig. Die Spielzeit beträgt zweimal zehn Minuten (Halle 2×30). Im Sand stehen pro Team vier Akteure gleichzeitig auf dem Feld (Halle sieben), wobei die Angreifer ihren Torwart gegen einen Spezialisten auswechseln, sodass stets vier Angreifer auf drei Abwehrspieler (plus Torwart) treffen.

Ein normaler Wurf ins Tor zählt im Beachhandball einen Punkt, Spezialistentreffer sowie Pirouetten- und Kempa-Tore zählen zwei Punkte. Jeder Satz (Halbzeit) wird für sich gewertet, endet ein Satz unentschieden, entscheidet das Sudden death über dessen Sieger. Gewinnt jede Mannschaft einen Satz (Halbzeit), entscheidet ein Shoot-out, eine Art Siebenmeterwerfen, bei dem der Schütze auf den gegnerischen Torwart zuläuft, über den Gesamtsieger.

Nächste Spieltermine

 

17:15
1. Damen

Elsflether TB — HC Bremen

18:00
1. Herren

TuS Haren — HC Bremen verlegt!!!

19:30
A-Jugend

HC Bremen — TSG Altenhagen-Heepen ist abgesagt!!!

15:00
2. Damen

TS Woltmershausen — HC Bremen

17:30
2. Herren

HC Bremen — SV Werder