mJA: Kleine Vereine fühlen sich ausgeschlossen
Deutscher Handballbund erwägt Verkleinerung der A-Jugend-Bundesliga – und stößt an der Basis auf Widerstand

Bremen. „Eine Reform der Jugend-Handball-Bundesliga? In Ordnung, aber doch nicht so!“ Ralf Fricke, der Handball-Chef des HC Bremen und zugleich Vizepräsident Finanzen des Bremer Handballverbandes (BHV), schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Er ist über Vorhaben des Deutschen Handballbundes (DHB), die Eliteklasse des Nachwuchses ab der Saison 2019/20 von vier Staffeln mit zwölf Mannschaften auf zwei Gruppen mit zehn Teams zu reduzieren, entsetzt.
Jochen Beppler, der Chef-Bundestrainer für den Nachwuchs, hatte dafür beim DHB-Jugendspielausschuss in Kassel geworben. Er stellte dar, dass einige Talente der A-Jugend-Bundesliga mit Einsätzen in der 2. und 3. Männer-Liga bis zu 58 Spiele in der Saison absolvieren. Allesamt auf hohem Niveau, Auswahlmaßnahmen nicht mit einbezogen. „Uns liegt sehr daran, den Spielern ein vernünftiges Wettspielsystem mit qualitativ hochwertigen Spielen anzubieten. Dazu gehört aber auch eine vernünftige Periodisierung, insbesondere mit Blick auf deren schulische und berufliche Ausbildung“, begründet Beppler die vorgeschlagene Reduzierung von 48 auf 20 Mannschaften. Carsten Korte, der Vorsitzende des DHB-Jugendspielausschusses, pflichtet ihm bei: „Wir wollen Nationalspieler ausbilden, dürfen aber die Breite nicht vergessen. Da gilt es, einen vernünftigen Kompromiss zu finden.“
Doch der Vorschlag mit der radikalen Reduzierung der Eliteklasse gefällt weder der SG HC Bremen/Hastedt noch den ebenfalls betroffenen Vereinen HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, TV Oyten oder HSG Schwanewede/Neuenkirchen. „Die Belastung der Spieler zu reduzieren, ist ja okay, aber das Ergebnis ist inakzeptabel“, sagt Ralf Fricke. Seine A-Junioren haben sechs Jahre am Stück in der Bundesliga gespielt, für die aktuelle Saison hatte das Team von Trainer Tim Schulenberg jedoch erstmals die Qualifikation für die Eliteklasse verpasst, Ende Mai/Anfang Juni will es per Aufstiegsrunde erneut in die Jugend-Bundesliga einziehen.

Nicht nur Ralf Fricke sieht den Vorschlag auf die Internate der Männer-Bundesligisten zugeschnitten. „Die kleinen Vereine hätten fast keine Chance mehr, in solch eine Spitzenklasse mit nur noch 20 Mannschaften vorzustoßen“, meint Kirsten Lemke, Sportliche Leiterin der HSG Schwanewede/Neuenkirchen. Ihr Klub hatte vor drei Jahren das Abenteuer Jugend-Bundesliga gewagt und im Folgejahr die direkte Rückkehr verpasst. Aktuell sind in der Jugend-Bundesliga aus dem Bremer Umland der TV Oyten und die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg vertreten, die mit im Schnitt knapp 300 Zuschauern pro Spiel zu den am besten besuchten Vereinen aller vier Bundesliga-Staffeln zählen. Die Hallenauslastung der Grüppenbührener im Landkreis Oldenburg beträgt nahezu 90 Prozent. Bob Hanning, Vizepräsident des DHB und gleichzeitig A-Jugend-Trainer der Füchse Berlin, hatte Grüppenbühren und Oyten zuletzt ausdrücklich für die tolle Kulisse gelobt.

„Es ist doch auch für die Spieler der großen Vereine schöner, in einer vollen Halle mit guter Stimmung zu spielen“, sagt Grüppenbührens Trainer Stefan Buß. Thomas Cordes, Trainer des TV Oyten, ist in seiner Meinung zweigeteilt: Einerseits kann er die Motive der Top-Vereine „ein Stück weit verstehen, andererseits betreiben gerade diese kleinen Vereine mit der Bundesliga-Teilnahme feinste Werbung für diese schöne Sportart“. Ralf Fricke schlägt eine Alternative vor: „Man kann ja auch mit vier Staffeln à zehn Mannschaften spielen. Das wäre für die Spieler dieselbe Belastung und gäbe auch den kleineren Klubs eine Chance, Bundesliga zu spielen.“ Denn gerade für einen Verein wie die SG HC Bremen/Hastedt, der selbst viele Talente aus der Region mit dem Ziel Bundesliga zusammenzieht, könnte eine radikale Reduzierung zu einer Bedrohung werden. Ausgleichend denkt man beim DHB darüber nach, unter der 1. möglicherweise eine 2. Liga zu installieren, sofern die Landesverbände nicht ihre Regionalklassen unter der Bundesliga stärken sollten. „Die Frage wäre dann aber, welchen finanziellen Aufwand eine 2. Liga bedeutet und ob man Leute findet, die das auch noch bezahlen wollen“, sagt Fricke.

Der zweite Vorschlag des DHB-Jugendspielausschusses, eine B-Jugend-Bundesliga mit sechs Staffeln à acht Mannschaften einzuführen, erntet unterschiedliche Reaktionen. Oytens Trainer Thomas Cordes ist skeptisch: „Der Trainingsaufwand ist in diesem Alter nicht mehr zu leisten, wenn man keine Sport-Schwerpunktschule im Rücken hat, die den athletischen Teil bedienen kann.“ Kirsten Lemke hält schon die aktuelle B-Jugend-Oberliga Niedersachsen/Bremen für stark genug. „Eine B-Jugend-Bundesliga müssen die Vereine auch personell und finanziell stemmen können.“ Ralf Fricke steht der B-Jugend-Bundesliga uneingeschränkt positiv gegenüber: „Das ist eine gute Lösung und ein positiver Anreiz für die Spieler.“
Die Diskussion über die Reformvorschläge des DHB-Jugendspielausschusses ist voll entbrannt. Die Präsidenten der Landesverbände beraten darüber im Juni, im Herbst soll dann im DHB-Bundesrat über die vorgelegten Änderungen abgestimmt werden. Vor rund drei Jahren war in diesem Gremium schon ein weniger radikaler Vorstoß der Jugendspielkommission gescheitert.

Nächste Spieltermine

 

20:00
1. Herren

HC Bremen — SG VTB/Altjuehrden

9:00
D-Jugend

ATSV Habenhausen — HC Bremen

16:00
B-Jugend

HC Bremen — TV Bissendorf

19:30
1. Herren

HC Bremen — TSG Hatten-Sandkrug

13:30
B-Jugend 2

HV Lueneburg — HC Bremen