Neue Hoffnung auf den Hype
Warum sich Bremer Handball-Funktionäre auf die EM freuen und wie Erfolge auf den Nachwuchs wirken

Begeisterter Nachwuchs beim Handball: So stellen sich Handball-Funktionäre die Sogwirkung nach der alljährlichen Welt- und Europameisterschaft vor.
Bremen. Tim Schulenberg weiß schon, wo er an diesem Donnerstag ab 18.15 Uhr sitzt. „Ich habe die Schüler gefragt, was sie wollen. Die klare Antwort war: Handball schauen!“ Schulenberg, Trainer der Bundesliga-A-Jugend des HC Bremen, weilt in dieser Woche auf Skifreizeit in Österreich, er ist auch Lehrer an der Sportbetonten Oberschule Ronzelenstraße. Dass die Mehrheit der Schüler lieber das Auftaktspiel der Deutschen gegen die Niederlande bei der Handball-EM schaut, statt zum Après-Ski zu tigern, überrascht Schulenberg nicht. „Der Januar ist traditionell der Handball-Monat.“ Jedes Jahr wird im Wechsel die Welt- und Europameisterschaft gespielt. Und jedes Jahr die Frage gestellt: Kann der Handball den Boom dauerhaft nutzen, der alljährlich entsteht? Oder verpufft er immer wieder?

Schulenberg kann das gar nicht abschließend sagen. „Wir bekommen für unseren Sport auf jeden Fall immer wieder die breite Öffentlichkeit“, sagt er. Und wenn die deutsche Mannschaft dann noch halbwegs erfolgreich spiele, entwickele sich schnell ein Hype. Mit dauerhaftem Nutzen? Es seien keine Effekte, die man auf den Schlag spüre. „Aber dafür merke ich bei unseren Leistungshandballern, dass die sich durch die Turniere und Auftritte der Spieler im Fernsehen anders mit ihrem Sport auseinandersetzen. Es findet eine andere Identifikation statt.“

Schon im Januar 2019, als Deutschland bei der Heim-WM starke Spiele zeigte, die TV-­Quoten in die Höhe schossen und die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop sogar Fußball aus den Schlagzeilen verdrängte, hoffte der Deutsche Handball-Bund (DHB) auf eine Sogwirkung. „Wir haben aktuell rund 760 000 Mitglieder und wir wollen wieder 800 000 Mitglieder“, sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober damals. Schließlich sei die WM eine Leuchtturm-Veranstaltung gewesen. Die Hoffnung auf mehr Mitglieder hat sich nicht erfüllt. Aber Monika Wöhler, Präsidentin des Bremer Handball-Verbandes (BHV), kann trotzdem positive Zahlen verkünden. „Bei der E-Jugend und bei den Minis haben wir zugelegt, dort ist ein positiver Trend zu verzeichnen. Ich hoffe sehr, dass diese Zahlen sich jetzt weiter bestätigen“, sagt sie.

Für Valentina Kreutzer, seit März 2018 als BHV-Vizepräsidentin für den Nachwuchs verantwortlich, sind das gute Zahlen. „Wir profitieren jedes Mal vom positiven Abschneiden der Nationalmannschaft“, hat sie erkannt. Und überhaupt sei Handball vom Image her positiver belegt als der Fußball. Nein, jetzt komme keine Neid-Debatte, sagt sie. „Aber beim Handball werden eben bestimmte Werte in den Vordergrund gestellt, die es beim Fußball nicht immer gibt.“ Sie meint Teamgeist, Kameradschaft und das Kämpfen bis zum Umfallen. „Handballer haben nun mal einen härteren Körperkontakt, die stecken mehr ein als Fußballer, tragen das aber nicht so nach außen.“

Ob man den WM-Boom immer sofort spüre, weiß sie nicht. „Aber wir haben gemerkt, dass die Vereine grundsätzlich mehr Spieler für Auswahl-Teams melden, das waren zuletzt im Schnitt knapp 40 Anmeldungen pro Mannschaft.“ Die Jugendlichen seien offenbar motivierter, sich zu messen für den Traum, womöglich mal in der Bundesliga oder in der Nationalmannschaft zu spielen.“

Diesen Trend kann Michael Kante nur bestätigen. Er ist D-Jugend-Trainer beim HC Bremen und weiß: „Jede EM und WM bringt uns einen Nachschub von Kindern.“ Aber Kante hat festgestellt, dass sich zuletzt der Handball-Hype auch bei den Älteren verfangen hat. „Dort hat es eine breite Identifikation mit den Spielern gegeben, gerade auch mit den deutschen.“ Kante nennt es „qualifizierte Begeisterung“, immer mehr wollen ihren Idolen nacheifern, tragen sogar Trikots der Idole. Noch Monate nach einer EM oder WM würden die älteren Handballer Spielszenen oder Tore auf Youtube anschauen. „Solch ein Turnier im Januar ist deshalb immer auch identitätsstiftend.“

Für Kreutzer und auch Kante steht fest: Dem Handball tut das jährliche Handball-Großereignis nur gut, von Übersättigung sei jedenfalls nichts zu spüren. „Das ist für unseren Sport jedes Jahr wieder eine gute Sache“, findet Kante. Und Kreutzer sagt: „Die Spieler wünschen sich mehr Pause für die Regeneration, gerade jetzt auch in einem Jahr mit Olympischen Spielen.“ Das könne sie sehr gut verstehen. „Aber wir haben in den letzten Jahren viele Handballer verloren, bedingt durch das Alter und die veränderten Lebenswelten. Da ist es gut, wenn sich im Januar immer wieder Menschen vom Handball begeistern lassen.“ Und noch besser sei es, wenn Kinder dann auch wirklich den Weg zum Handball finden.

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