Nordlichter: Auf dem Sprung

Für die Nordlichter und die Sandmöpse geht es von Freitag bis Sonntag in Oberlübbe darum, Punkte für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft in Berlin zu sammeln.

Oberlübbe. Der Sand staubt auf wenn Agnieszka Blacha, Lisa Busse oder Svea Kramer kraftvoll mit beiden Beinen an der blauen Linie abspringen. Sie müssen Höhe gewinnen, um sich kunstvoll um 360 Grad zu drehen und dann noch genug Zeit zu haben, den Ball kontrolliert aufs Tor zu werfen. Die artistische Bewegung vor dem Torabschluss ist beim Beachhandball essenziell, denn Treffer nach Pirouetten zählen doppelt, ebenso wie Tore des Torwarts oder nach einem Kempa-Trick. Deswegen ist Beachhandball so spektakulär – und die Sandmöpse gehören zu den besten Teams des Landes. Gespickt mit Spielerinnen des Oberligisten HSG Hude/Falkenburg und des TV Neerstedt, der in der vergangenen Saison in die Oberliga aufstieg, erreichten die Beachhandballerinnen bei der Deutschen Meisterschaft 2017 überraschend das Halbfinale. „Wir wollen unbedingt wieder nach Berlin und haben auch ganz gute Chancen. Und wir sind hoch motoviert“, sagt Kramer, die in der Jugend für Neerstedt auflief und mittlerweile nur noch im Sand spielt. Die Erfolge des vergangenen Jahres zu wiederholen, sei jedoch schwierig.

Die Nordlichter sind noch stärker einzuschätzen: Jüngst erreichten sie bei der Europameisterschaft in Polen mit einem Rumpfkader das Viertelfinale und gehen als einer der Favoriten auf den Titel ins Rennen um die Deutsche Meisterschaft. Doch vorher steht die Qualifikation für das Team an, das unter anderem von Akteuren des Oberliga-Aufsteigers HSG Delmenhorst gebildet wird. Der Harpstedter Maurice Dräger läuft in der 3. Liga für die zweite Mannschaft der TSV Hannover-Burgdorf auf und gehört zum erweiterten Kader des Bundesligisten, sein Zwillingsbruder Yannick geht für den TV Emsdetten in der 2. Bundesliga auf Torejagd. „Natürlich müssen wir erst mal die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft hinbekommen, aber das müsste schon klappen. Bei der DM haben wir dann hoffentlich mal den kompletten Kader dabei, dann ist da auch gut was möglich“, blickt Hendrik Sander von den Nordlichtern voraus. Er spielte einst für den TV Neerstedt und lebt mittlerweile in Osnabrück.

Die Konkurrenz im Kampf um Qualifikationspunkte in Oberlübbe ist groß. Bei den Männern treten mit der SG Schurwald, BHC Beach & Da Gang und den Nordlichtern unter anderem der amtierende Deutsche Meister, der Vize und der DM-Dritte an. 15 Teams sind dabei, bis zu 390 Punkte – bundesweit sind nur drei Turniere höher eingestuft – werden vergeben. Auch bei den Frauen ist die Creme de la Creme im Oberlübber Sand vertreten. Neben den Sandmöpsen kämpfen fünf weitere Teams um vordere Platzierungen, die im vergangenen Jahr die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft meisterten. „Im Grunde ist das eine Deutsche Meisterschaft in klein“, blickt Kramer voraus. Die Sandmöpse reisen mit einem kleinen Kader an und sehen sich in Oberlübbe eher in der Außenseiterrolle. „Mal schauen, wie wir das hinbekommen. Wir fahren ohne große Erwartungen hin“, sagt Kramer. Die Nordlichter hatten mit der Auslosung Glück. „Das kann man schon so sagen. Normalerweise sollten wir die Gruppe gewinnen. Ziel ist mindestens das Halbfinale, dann gibt’s eine Menge Punkte“, sagt Sander. Die drei punktemäßig besten Turnier kommen in die Wertung für das Rennen nach Berlin.

Das europäische Finale nehmen die Nordlichter diese Saison aller Voraussicht nach nicht in Angriff. „Das bekommen wir zeitlich nicht hin. Die Regularien haben sich geändert, es zählen jetzt die besten fünf Ergebnisse“, berichtet Sander. An den kommenden drei Wochenenden spielen die Nordlichter in Oberlübbe, Hamburg und Hannover um DM-Punkte, im August steht dann bereits – bei erfolgreicher Qualifikation – das Finale in Berlin an, da ist kaum Zeit für europäische Punkte, zumal die nationale Konkurrenz in Kelkheim Punkte abstaubten, während die Nordlichter die deutschen Farben in Polen vertraten. Selbst mit dem Training wird es knapp bis zur DM. „Unter der Woche ist das kaum machbar, da wir auf Delmenhorst, Hannover oder Osnabrück verteilt leben. Aber nach erfolgter Quali wollen wir es vor der DM noch mal schaffen, voraussichtlich dann in Wildeshausen oder Neerstedt“, erzählt Sander.

Für den Erfolg im Sand, um den es bei allem Spaß, der beim Beachhandball eine wichtige Rolle spielt, geht, trainieren die Sandmöpse regelmäßig in Neerstedt. „Es ist nicht immer einfach, viele Spielerinnen zusammenzubekommen, weil wir mittlerweile in verschiedenen Städten wohnen“, erklärt Kramer. Dennoch sind in der Vorbereitung auf Oberlübbe elf Frauen in Neerstedt beim Training vor Ort. Die Umstellung von Halle auf Sand ist beim Handball groß. Logischerweise wird der Ball nicht geprellt, zudem wird der Torwart beim Angriff immer durch einen Feldspieler ersetzt, sodass vier Offensive auf drei Defensive treffen. Zudem erlauben die Regeln kaum Körperkontakt, die Verteidigung kann den Angriff also nicht festmachen. „Deshalb ist das Spiel im Sand dynamischer als in der Halle und man muss mehr laufen“, erklärt Kramer.

Vor allem versuchen die Verteidiger, die Passwege zuzustellen oder Würfe mit einem Sprung zu blocken. Svea Kramer ist mit ihren 1,80 Metern und der entsprechenden Armspannweite vor allem in der Abwehr gefordert. „Meine Größe irritiert die Gegnerinnen schon des Öfteren und wenn es sein muss, laufe ich auch mit nach vorne und werfe“, sagt sie lachend. Dass die den Wurf nach einer Pirouette beherrscht, zeigt sie im Training. Wie schnell Beachhandball ist, führen die Sandmöpse beim Abschlussspiel vor. Hin und her geht es, Spielerinnen laufen aus dem Feld, andere kommen rein, bei Fehlversuchen schaltet Torfrau Karen Tapkenhinrichs schnell um und wirft selbst ins leere Tor. Ab und an hapert es noch am schnellen Umschalten.

Jede Akteurin muss durchgehend konzentriert bleiben, um im richtigen Moment aufs Feld zu laufen, weil die Wechsel fliegend vorgenommen werden. Im Angriff könnten die Beachhandballerinnen auch „normal“ werfen, um einen Punkt zu erzielen. „Aber einer ist keiner. Meistens riskiert man schon, auf zwei Punkte zu gehen. Manchmal ist das aber auch zu viel Risiko“, wägt Kramer ab. Ohne Risiko gibt es beim Beachhandball jedoch kaum etwas zu gewinnen.

Kader Sandmöpse: Karen Tapkenhinrichs (HSG Hude/Falkenburg) – Katharina Stuffel, Lisa Busse (beide HSG Hude/Falkenburg), Agnieszka Blacha, Delia Mathieu (beide TV Neerstedt), Hedda Spille, Svea Kramer (beide ehemals TV Neerstedt).

Kader Nordlichter: Colin Räbiger (Hannover Burgwedel) – Frederic Oetken, Stefan Timmermann (beide HSG Delmenhorst), Marten Franke, Kai Wiezorrek (beide HC Bremen/Hastedt), Maurice Dräger (TSV Hannover Burgdorf), Yannick Dräger (TV Emsdetten), Tilman Pröhl (VfL EIntracht Hagen), Hendrik Sander (ehemals TV Neerstedt).

Nächste Spieltermine

 

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