Traum vom Profi-Handball lebt weiter
Der Bremer Miro Schluroff ist bester Drittliga-Schütze der Füchse Berlin, aber noch weit weg von der Bundesliga

Bremen. Miro Schluroff will den Sprung schaffen. Der 19-jährige Handballer aus Bremen ist schließlich eins der gefragtesten Talente aus dem Norden, Beachhandball-Europameister bei den U 18-Junioren und ehemaliger Bundesliga-Spieler in der A-Jugend des HC Bremen. Sein Traum: Mit dem Handball mal so viel Geld zu verdienen, dass er davon leben kann – ein Handball-Profi eben. Deshalb verließ er im vergangenen Sommer die Hansestadt, um seinem Ziel ein großes Stück näher zu kommen. Schluroff spielt jetzt bei den Füchsen Berlin in der Hauptstadt.

Dort ist er inzwischen Stammspieler und Leistungsträger. Zwar nicht im Bundesliga-Team, das wäre vermessen. Schluroff spielt in der zweiten Mannschaft, die in der 3. Liga angesiedelt ist. Dort, sagt er, bekäme er die Chance, viel Verantwortung zu übernehmen und als Spieler zu reifen. „Ich entwickle mich ganz gut und kann meine Stärken weiter ausbauen. Aber ich muss noch weiter an meiner Abwehrleistung arbeiten“, sagt er. Seine bisherige Berlin-Bilanz ist allerdings mehr als ordentlich: Bis Ende Januar kam Schluroff in allen 19 Pflichtspielen zum Einsatz und erzielte mit 85 Toren die meisten Treffer seiner Mannschaft. Im Gesamtranking der 3. Liga Nordost steht er damit auf Platz 14 der Toptorschützen. Mit seiner Mannschaft belegt Schluroff nach dem jüngsten 32:30-Sieg über den Oranienburger HC den neunten Tabellenplatz.

Keine schlechten Werte für die ersten Monate abseits der alten sportlichen und privaten Heimat. An die Umstellung, erstmals in seinem Leben für sich alleine sorgen zu müssen, habe er sich relativ schnell gewöhnt, sagt er. „Am Anfang war es natürlich ungewohnt, so von Zuhause weg, ganz ohne Mutter und Freunde. Waschen, kochen und so weiter, das muss ich ja alles alleine machen.“ Aber mit der Zeit habe er das schon auf die Reihe gekriegt. „Kochen ist immer noch so eine Sache, aber der Rest geht schon“, meint er und fügt ganz pragmatisch an: „Ich muss es ja auch machen, ein anderer macht‘s ja nicht mehr für mich.“

Vertrag bei den Füchsen läuft 2021 aus

Parallel zum Versuch, im Profi-Handball den Durchbruch zu schaffen, absolviert Miro Schluroff in Berlin eine Ausbildung zum Sportkaufmann. Die endet im Sommer 2021, just zu dem Zeitpunkt, zu dem – Stand heute – auch sein Vertrag bei den Füchsen endet. Er ahnt: Nächstes Jahr schon den Sprung in die erste Mannschaft der Berliner zu schaffen, wird verdammt schwer. Berlin hat sich mittlerweile zu einem internationalen Topklub gemausert, der schon jetzt hochkarätige Neuzugänge für die nächste Saison unter Vertrag genommen hat. Spieler wie Lasse Andersson, der vom FC Barcelona zu den Füchsen wechselt, bringen Erfahrung aus der Champions League mit. Unrealistisch, dass Schluroff an solchen Spielern vorbeikommt.

Trotzdem gibt es Hoffnung. Beim Peugeot-Cup etwa, der kürzlich in Dessau gespielt wurde, rückte der Bremer in den Kader der Bundesliga-Mannschaft. Das war zwar der Tatsache geschuldet, dass aufgrund der Europameisterschaft etliche Füchse-Spieler fehlten, zeigte aber: Schluroff hat sich schon eine Perspektive in Berlin erkämpft. Das Team der Füchse bestand bei dem Turnier aus einer bunten Mischung von erfahrenen Spielern der ersten Mannschaft und Nachwuchstalenten und erreichte den dritten Platz.

Seine Leidenschaft für Beachhandball kommt in Berlin allerdings definitiv zu kurz. Noch in Bremen hatte das Spiel im Sand für Schluroff eine große Bedeutung, er wurde mit der deutschen U 18-Auswahl ja sogar Europameister. Aber nach dem Umzug in die Hauptstadt ist für das professionelle Beachen keine Zeit mehr. Er spiele Beachhandball immer noch gerne mal zum Spaß, „aber ich möchte mich vorerst auf die Halle konzentrieren“.

Verständlich, denn noch ist nicht geklärt, wohin sein Weg im Handball führt. „Ich würde mich natürlich freuen, wenn es in Berlin weitergeht“, meint Schluroff. Es könne aber auch sein, dass er nach der Zeit bei den Füchsen erst mal zu einem Zweitliga-Verein wechsele. Sein Ziel hat er nicht aus den Augen verloren. „Ich möchte es auf jeden Fall in den Profi-­Bereich und in die Bundesliga schaffen.“ Und das auch gerne mit der Heimat an der Weser verbinden. „Natürlich würde ich gerne irgendwann wieder in der Nähe von Bremen spielen – irgendwo, von wo aus meine Familie und Freundin noch halbwegs erreichbar sind.“ Noch hat er Zeit, an diesem Ziel zu feilen.

Bremer in der Handball-Bundesliga

Bremen. Miro Schluroff, der im Sommer 2019 zu den Füchsen Berlin wechselte, ist das jüngste Beispiel eines Nachwuchs-Handballers aus Bremen, der von einer Profi-Karriere träumt. Bremen ist seit vielen Jahren kein Handball-Mekka mehr, sodass der Weg der Talente hier noch ein bisschen länger geworden ist als in den Städten mit Bundesliga-Standort. Immerhin hält der HC Bremen mit seiner A-Jugend-Bundesligamannschaft den Leistungshandball an der Weser hoch.

Einige Bremer Talente haben den Erfolgsweg trotz aller Widrigkeiten gefunden – allen voran Finn Lemke, der 2011 vom Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen zum TBV Lemgo gewechselt war und 2016 den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere erreichte. Der inzwischen 27-jährige Abwehrspezialist, mittlerweile beheimatet bei der MT Melsungen, wurde mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister und nahm im gleichen Jahr an den Olympischen Spielen in Rio teil.

Auch Finn Lemkes Bruder Jari steht derzeit beim Bundesligisten TBV Lemgo unter Vertrag. Verletzungsbedingt kam der 22-Jährige in der laufenden Saison aber nicht zum Zuge. Dafür bestritt kurz vor Weihnachten mit Fynn Schröder ein ehemaliger Bremer im Tor des THW Kiel sein Bundesliga-Debüt. Der 22-Jährige ist der Sohn des ehemaligen Grambker Bundesliga-Torwarts Matthias Schröder und der früheren Waller und Hastedter Spielerin Anja Schröder. Fynn Schröder spielte einst ebenfalls beim Hastedter TSV und für den HC Bremen in der Jugend-Bundesliga, bevor er nach Schleswig-Holstein wechselte.

Mit Tilman Pröhl hat es ein weiterer Bremer zumindest in die 2. Bundesliga geschafft. Der 23-jährige ehemalige Jugendspieler des TS Woltmershausen und HC Bremen schnupperte beim TV Emsdetten erstmals Zweitliga-Luft und wird nach einem Engagement bei Eintracht Hagen in der kommenden Saison für die Rimparer Wölfe in der 2. Liga auflaufen. Mit dem 26-jährigen Kreisläufer Yannick Dräger läuft ein weiterer Ex-Spieler des HC Bremen in dieser Saison im Trikot des Zweitligisten TV Emsdetten auf.

Nächste Spieltermine

 

15:00
2. Damen

TS Woltmershausen — HC Bremen

17:30
2. Herren

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1. Herren

HC Bremen — SG VTB/Altjuehrden

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16:00
B-Jugend

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