Beachhandball Nationalmannschaft: Die Hoffnung auf Wettkampf: Beach-Nationalteams blicken nach Corona-Jahr 2020 nach vorne
Fortschritte dank Stützpunkttraining: Die Nationaltrainer loben individuelle Entwicklung im Corona-Jahr.

Für die deutschen Beachhandball-Nationalmannschaften geht es am Wochenende erstmals im Jahr 2021 in den Sand: Bei der German Beach Trophy in Düsseldorf messen sich die vier Teams in einem verbandsinternen Wettkampf (wir berichteten). Hinter den Auswahlen liegt ein schwieriges Corona-Jahr 2020: Die Beach-Saison im Sommer fiel nahezu komplett aus, die Großturniere wurden abgesagt. Dennoch sehen die Nationaltrainer Fortschritte in der Entwicklung und hoffen auf Wettkämpfe in 2021.

Männer-Nationalmannschaft

Eigentlich sollte 2020 das große Jahr für die Männer-Nationalmannschaft werden: Im Februar erhielt das Team von Konrad Bansa eine Wildcard für die Weltmeisterschaft im Juli, doch die Corona-Pandemie pulverisierte die Planung. Nun nimmt die DHB-Auswahl einen neuen Anlauf: Die Planung ist auf eine Neuansetzung der WM im Juni 2021 ausgerichtet, wenige Wochen später soll die Europameisterschaft folgen.

„Nach den uns zur Verfügung stehenden Informationen soll die WM stattfinden und das ist unser Fixpunkt“, betont Bansa. „Wir werden uns auf dieses Turnier konzentrieren.“ Offizielle Informationen des Weltverbandes gibt es noch nicht, der Nationaltrainer bleibt pragmatisch: „Sollte die WM nicht stattfinden, sind wir eben besonders gut vorbereitet für die EM, die einen Monat später gespielt wird.“

Die Selektion des Kaders sowie die Vorbereitung des Teams auf den Sommer sind die Schwerpunkte, die Bansa für die kommenden Monate gesetzt hat. Nach aktuellem Planungsstand sollen – neben der German Beach Trophy in Düsseldorf – zwei Kurzlehrgänge zu Karneval und Ostern stattfinden; im Frühsommer steht dann die Spielpraxis im Fokus.

„Wir haben im vergangenen Jahr Schritt für Schritt neue Dinge eingebaut, aber wir wissen nicht, ob es funktioniert“, blickt Bansa auf das turnierlose Jahr 2020 zurück. „Eine Aussage über unsere Leistungsstärke im Wettkampf ist daher aktuell schwierig.“ Insgesamt drei Präsenz-Lehrgänge absolvierte er mit seinem neuen Co-Trainer Manel Cirac und – in wechselnden Konstellationen – 28 Spielern; zudem fanden fünf Online-Lehrgänge statt.

Im Blickfeld der Männer-Nationalmannschaft stehen – auch dank der Möglichkeiten der Stützpunkt-Förderung im Sommer – 40 bis 50 Akteure. Inwiefern aus diesem Aufgebot gerade die Hallenspieler der 1. und 2. Bundesliga beim engen Terminplan 2021 zur Verfügung stehen werden, ist noch offen.

Der letzte Lehrgang fand unmittelbar vor Weihnachten statt, Bansa versammelte 21 Spieler in Witten. „Wir waren alle froh, dass wir die Maßnahme dank des funktionierenden Testkonzeptes absolvieren konnten“, blickt der Nationaltrainer zurück. „Für das Team hat mit diesem Lehrgang der Neustart 2021 und die erste Etappe auf dem Weg zur WM begonnen. Entsprechend sind wir alle motiviert nach Hause gefahren.“

Frauen-Nationalmannschaft

Obwohl der erste Lehrgang mit seiner Mannschaft im Jahr 2020 erst im November stattfinden konnte, zeigte sich Alexander Novakovic bewusst optimistisch. „Abgesehen davon, dass wir keinen Wettkampf hatten, war es ein erfolgreiches Jahr“, betont der Frauen-Nationaltrainer. „Wir hatten endlich Zeit, in Ruhe verschiedene Spielerinnen zu sichten und auch individuell ist eine klare Weiterentwicklung erkennbar.“

Lediglich der Wettkampf fehlte komplett – dass die eigentlich für Anfang Juli 2020 angesetzte EM-Qualifikation ausfallen würde, gab die EHF früh bekannt. Novakovic plant die EM-Teilnahme dennoch ein: „Ich gehe davon aus, dass das Teilnehmerfeld noch einmal ohne Qualifikation besetzt wird – und dann im nächsten Jahr die Quali für 2023 angesetzt wird.“

Bei der Planung der Vorbereitung habe er Rücksicht auf die zehn Erst- und Zweitligaspielerinnen seines engeren 18-köpfigen Kaders genommen – darunter mehrere Spielerinnen, die bereits in den Jugend-Nationalmannschaften im Sand aufliefen. „Es bringt uns auch im Sand auf ein höheres Niveau, dass unsere ausgebildeten Beachhandballerinnen in der Halle hochklassig spielen“, betont Novakovic.

Zusätzlich sichtete er über die Stützpunkt bewusst weitere Bundesligaspielerinnen, um seinen Kader zu verstärken. „Viele Vereine unterstützen uns“, freut sich Novakovic, der die „oft enge Kommunikation“ lobt. Aktuell hat Novakovic so rund 40 bis 50 Spielerinnen auf dem Zettel, die teilweise über das Stützpunkttraining im Sommer in den Fokus rückten.

Im November und Dezember fanden insgesamt drei Lehrgänge in Witten statt, zudem waren drei Online-Lehrgänge angesetzt. Der erste Lehrgang in diesem Jahr soll Ostern stattfinden; nach der Hallensaison liegt dann der Fokus auf dem Wettkampf. „Das brauchen wir – unbedingt“, betont der Nationaltrainer. „Nur damit können wir uns weiterentwickeln.“

U16 männlich

Hinter der männlichen U16-Nationalmannschaft liegt ein Jahr der Höhen und Tiefen. im Januar versammelten sich die Nachwuchstalente der Jahrgänge 2004 und 2005 zu ihrem ersten DHB-Lehrgang, das große Ziel war die Jugend-Europameisterschaft im Juni. Diese wurde allerdings erst coronabedingt verschoben – und dann wenige Wochen vor dem neuen Termin abgesagt. Die Hoffnung der Talente wurde damit erneut enttäuscht – gerade, weil sie im Sommer in den Stützpunkten intensiv gearbeitet hatten.

„Die zweimalige Verschiebung der EM und die Absage der Jugendolympischen Spiele hat den Jungs schon einen zwischenzeitlichen Knacks in ihrer Motivation gegeben“, sagt Nationaltrainer Marten Franke rückblickend. Nach dem erneuten Lockdown musste zudem der Dezember-Lehrgang kurzfristig abgesagt werden. „Ich glaube, wir konnten das insgesamt gut auffangen. Für die Jungs ist es das Wichtigste, überhaupt im Sand zu stehen und eine Perspektive auf ein kommendes Großereignis mit der EM zu haben.“

Diese soll nun – das ist die Hoffnung – in 2021 endlich stattfinden. „Wir wollen nun bis zur EM möglichst viel Wettkampfpraxis sammeln, um dadurch mehr Souveränität und Automatismen in unser Spiel zu bekommen“, gibt Franke die Richtung vor. „Wettkampfpraxis ist nunmal das A und O, um in wichtigen Drucksituationen voll da zu sein.“

Auftakt ist die German Beach Trophy am Wochenende in Düsseldorf (wir berichteten), die folgenden Termine sind noch offen. „Welche Turniere wir im weiteren Verlauf des Frühjahres noch spielen können, ist natürlich von der Entwicklung der Pandemie abhängig, aber ich bin optimistisch, dass wir noch einige Lehrgänge durchführen können, bevor es in die unmittelbare EM-Vorbereitung geht“, blickt Franke voraus.

Im vergangenen Jahr versammelte er seine Spieler zu drei Präsenz- und vier Online-Lehrgängen; insgesamt nahmen 24 Talente in unterschiedlichen Konstellationen teil. Hinzu kam das Training an den Stützpunkten von Juni bis Ende August – ein Spieler nahm in dieser Zeit an 20 Trainingseinheiten teil, es ist der Topwert des Teams. Trotz Corona habe sich der Beachhandball so, wie sich Franke freut, „im Laufe dieses Jahres bei den Jungs zu einer zusätzlichen Säule im Leben entwickelt, die neben Schule, Familie, Freunden und dem Hallenhandball eine gute Gewichtung findet.“

U16 weiblich

Eine positive individuelle Entwicklung steht der fehlende Wettkampfpraxis gegenüber: In der weiblichen U16-Nationalmannschaft zeichnet sich nach dem schwierigen Jahr 2020 ein ähnliches Bild wie in den anderen vier Teams. „Wir sind sicherlich auf einen guten Weg und sehr zufrieden mit den persönlichen Fortschritten“, bilanziert Nationaltrainer Frowin Fasold. „Das ist allerdings nur die halbe Sache; der fehlende Wettkampf ist sehr deprimierend.“

Mit fünf Präsenz-Lehrgängen, monatlichen Online-Lehrgängen sowie dem Stützpunkttraining versuchten Fasold und Co-Trainerin Fernanda Scovenna die Absage der EM und der Vorbereitungsturniere für ihre 30 Spielerinnen zu kompensieren. Nach der German Beach Trophy ist in diesem Jahr über Ostern ein Lehrgang geplant; zudem will Fasold die German Beach Open nutzen, um Wettkampfpraxis zu sammeln.

Fasold hofft inständig, dass die Europameisterschaft dieses Jahr endlich ausgetragen werden kann. „Die Entscheidung, die EM abzusagen, war natürlich richtig, aber es war dennoch frustrierend und enttäuschend“, betont er. „Solle die EM nun wieder ausfallen, wäre der Frust wohl noch einmal größer. Wir haben vergangenes Jahr die Enttäuschung in den Gesichtern gesehen, wenn wieder etwas abgesagt wurde. Das macht keinen Spaß.“

Mit dem Einsatz der Spielerinnen zeigt sich der Nationaltrainer zufrieden. „Bei den Mädels gibt es bereits ein sehr, sehr leistungssportliches Denken in Bezug auf die Disziplin Beachhandball; das hätte ich so nicht erwartet“, betont der Sportwissenschaftler. „Sie haben die Lehrgänge voll durchgezogen und jede Schutzmaßnahme akribisch befolgt. Das hat mich beeindruckt, denn dass sie sich so mit dem Beachhandball auseinandersetzen, ist ein gutes Zeichen.“

Regionalstützpunkte als Erfolgsrezept

Neben der Bedeutung des Wettkampfes für die Weiterentwicklung, die alle Coaches betonen, sind sich Bansa, Novakovic, Franke und Fasold in einem weiteren Punkt einig: Die Einführung der Regionalstützpunkte war ein voller Erfolg. An sieben Standorten wurden im Sommer mannschaftsübergreifend wöchentlich ein- bis zwei Einheiten angeboten; die Nationalspieler*innen konnten so regelmäßig trainieren.

„Durch die Entwicklung der Regionalstützpunkte konnten wir trotz Pandemie und ausgefallenen Lehrgängen im Sommer sicherstellen, dass die Spielerinnen und Spieler zahlreiche Trainingsstunden im Sand hatten“, betont Franke. Auch Bansa lobt: „Die Stützpunkte sind ein echter Fortschritt und waren sehr wertvoll für die individuelle Entwicklung.“

Geht es nach Novakovic, sollen die Stützpunkte in diesem Jahr fortgesetzt werden – trotz eines hoffentlich volleren Turnierkalenders durch Europameisterschaften und German Beach Open. „Das ist ein ganz klares Ziel“, betont der Frauen-Nationaltrainer. „Es ist auf jeden Fall möglich, die Stützpunkte regional neben der GBO unter der Woche anzubieten.“

Er sehe noch „ganz viel Potenzial“ in dem Stützpunktsystem, wie Novakovic betont. „Es geht um die Weiterentwicklung, da kann auch der A-Kader profitieren.“ Einige Landesverbände wie Bayern, Württemberg oder Niedersachsen bieten bereits Stützpunkte auf ihrer Ebene an; Novakovic hofft, dass noch mehr Landesverbände einsteigen: „Wir könnten darüber noch viel, viel mehr Fortschritte – auch in der Breite – machen.“

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