Herren: Bittere Pleite für dezimierte HSG Delmenhorst
Die HSG Delmenhorst hat knapp beim HC Bremen verloren. Trainer Jörg Rademacher sah seine Mannschaft von den Schiedsrichtern klar benachteiligt.

Jörg Rademacher hatte richtig schlechte Laune nach der 25:27 (12:11)-Niederlage seiner HSG Delmenhorst beim HC Bremen in der Handball-Oberligapartie des fünften Spieltages. Dass man nicht unbedingt gut drauf ist, wenn man verloren hat, ist normal. Und Rademacher ist auch niemand, der Ausreden sucht. Wenn er seine Mannen schlecht spielen gesehen hat, sagt er das klar und deutlich. So zum Beispiel nach dem knappen Heimsieg gegen den SV Beckdorf vor zwei Wochen. Rademacher ist auch kein schlechter Verlierer, auch wenn er Niederlagen natürlich nicht leiden kann. Er kritisiert auch mal die Schiedsrichter, sucht die Fehler aber in erster Linie bei seiner Mannschaft.

So deutlich wie nach der Partie gegen die Bremer wurde er in Bezug auf Schiedsrichter zumindest in seiner HSG-Zeit noch nicht: „Wir wurden hier verarscht. Das ärgert mich maßlos. Das war ein ganz schlechtes Niveau von den Schiedsrichtern. Die müssen sich die Frage stellen, ob sie der Lage gewachsen sind. Wir spielen auf Leistungsniveau und haben einen gewissen Anspruch“, echauffierte sich der HSG-Trainer.

Kaum Alternativen auf der Bank

Beispiele hatte er auch einige parat. „Jeder, der ein bisschen was von Handball versteht, weiß, dass man bei dem Spiel nicht erst nach 48 Minuten die erste Zeitstrafe geben kann. Wie oft hingen die an Jörn Janßen dran und haben am Trikot gezogen? Und Siebenmeter gab es dafür auch nicht. Kurz vor Schluss stand Marten Franke im Kreis ab. Das war eine klare Fehlentscheidung. Und in der letzten Minute spielt Bremen nur auf Zeit, das muss nach spätestens 20 Sekunden angezeigt werden“, monierte der Übungsleiter der Delmenhorster. Als Festival der Fehlentscheidungen bezeichnete er die Leistung der Unparteiischen. „Wir bereiten uns eine Woche vor, das kann man dann auch komplett lassen, wenn es so wie hier heute läuft“, fügte Rademacher hinzu.

Mit der Leistung seines Teams zeigte er sich zufrieden. „Die Jungs haben das in der ersten Halbzeit super gemacht. Respekt für die Leistung. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, meinte Rademacher. Gerade im Hinblick darauf, dass Tim Coors kurzfristig mit Rückenproblemen passen musste und auch Torben Sudau mit einer Handverletzung fehlte. „Durch den Ausfall von Tim Coors wurde unsere Taktik auseinandergerissen. Dafür haben es die Spieler super gelöst“, sagte Rademacher.

Die Delmenhorster reisten mit einem dezimierten Kader zum Derby nach Bremen. Mit nur neun Feldspielern musste Rademacher auskommen. Talent Marko Babic setzte er dabei gar nicht ein, Rückkehrer Alexander Schoeps stand kaum eine Minute auf dem Parkett. So musste der Rest quasi durchspielen. „Dass Tim Coors und auch Torben Sudau fehlten, kam uns natürlich entgegen. Die Bank bei der HSG ist dann nicht so breit, da fehlen die Rückraum-Alternativen“, stellte auch Björn Wolken fest, der die Bremer gemeinsam mit Spielertrainer Marten Franke betreut. Auch wenn die Abstimmung zwischen ihm und Franke, wenn dieser auf dem Feld agiere, noch nicht immer perfekt laufe, könne sich Franke dennoch mehr auf das Spielerische konzentrieren als in der Vergangenheit. „Das hat man heute auch gemerkt“, sagte Wolken. Insgesamt netzte Franke zwölfmal, darunter waren fünf Strafwürfe.

Marten Franke gegen die HSG

Franke war der überragende Mann auf dem Feld. Grundsätzlich laufen bei den Bremern fast alle Angriffe über ihn, gegen die HSG zeigte er jedoch ein besonders starkes Spiel. Fünf der ersten sechs Tore der Bremer erzielte er, vier der ersten neun bereitete er mit teils starken Pässen direkt vor. Kurz: Franke war an fast allen Treffern maßgeblich beteiligt.

Die HSG begann in der Defensive sehr konzentriert und ließ wenige gute Würfe zu. Auf der Gegenseite verzogen die Delmenhorster zwar auch ein paar Bälle, gingen jedoch mit 5:3 (14.) in Führung. Die Gastgeber antworteten mit einem 4:0-Lauf und drehten die Partie auf 7:5. In dieser Phase zeigte sich bereits, wie sehr Tim Coors fehlte. Zum einen ist er einer der besten Spieler der Oberliga, zum anderen hat die HSG im Kader keinen weiteren Linkshänder im Rückraum. Auf der halbrechten Position vertrat ihn Lennart Witt. Dieser zeigte im Verlauf der Partie später auf der Mitte einige gute Aktionen, auf der ungewohnten Position hatte er naturgemäß Probleme.

So entstanden die Treffer vor allem nach Würfen von Jörn Janßen. Zwischen den Minuten zwölf und 24 traf er fünfmal, sonst kein Delmenhorster. Der Shooter verwarf zwar auch einige Male, jedoch blieb ihm oft kaum eine andere Wahl, als selber abzuschließen. Insgesamt markierte er elf Treffer, darunter verwandelte er alle sechs Siebenmeter. Da die Delmenhorster Abwehr vor der Pause stark spielte, drehten die Gäste die Partie abermals und gingen mit einem 12:11 in die Kabine.

Die Konzentration in der Defensive war den Gästen in der Pause jedoch abhandengekommen und in der Offensive trafen sie zu Beginn der zweiten Hälfte aus dem Spiel heraus nicht. Sechs der ersten sieben Treffer gingen somit auf das Bremer Konto, sodass Franke und Co. auf 17:13 (39.) stellten. Doch die Rademacher-Mannen berappelten sich wieder, gestalteten die Partie zunächst wieder ausgeglichen bis zum 17:21 (48.), holten dann Stück für Stück auf und kamen beim 20:21 bis auf einen Treffer heran (51.). Auch eine Minute vor Schluss hatte diese Ein-Tor-Führung für den Gastgeber beim 26:25 noch Bestand. 50 der 60 verbleibenden Sekunden spielten die Bremer dann ohne großen Offensivdrang herunter, ohne dass das Schiedsrichterduo eingriff, zwei Sekunden vor Schluss traf Ole Fietze mit einer Einzelaktion zum 27:25-Endstand. „Da hat man gesehen, wie wir es eigentlich öfter hätten machen sollen. Wir haben die Leute, die Eins-gegen-eins-Situationen gewinnen können. Aber die Spieler sind noch sehr jung, da ist es schwer, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Wolken.

Die HSG Delmenhorst steht nach der zweiten Auswärtsniederlage in dieser Saison nun bei 6:4 Punkten. Damit rangiert die Rademacher-Sieben auf Position fünf in der Oberliga Nordsee. Das Team hat nun drei Wochen spielfrei, erst am 26. Oktober geht es weiter. Dann kommt es zum nächsten Derby bei der TSG Hatten-Sandkrug. Die Delmenhorster hoffen, dass dann wieder Tim Coors und Torben Sudau mit an Bord sind.

Nächste Spieltermine

 

17:15
1. Damen

Elsflether TB — HC Bremen

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