#Nachgefragt: Beach-Nationaltrainer Marten Franke über die U16-Europameisterschaft und Olympia

Die männliche U16-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbund bereitet sich aktuell auf die Jugend-Europameisterschaft vor. Vom 24. bis 27. September sollen die europäischen Titelkämpfe im Sand für den Jahrgang 2004/2005 ausgetragen werden. Nationaltrainer Marten Franke spricht in der aktuellen Ausgabe von #Nachgefragt über seine Erwartungen für die EM, das regionale Stützpunkttraining und die Absage der Olympischen Jugend-Spiele…

Marten, wie groß ist deine Freude, dass sich die EHF entschieden hat, die U16-Europameisterschaft noch auszutragen?

Marten Franke:
Grundsätzlich ist die Vorfreude natürlich riesig. Sowohl die Jungs als auch wir im Trainerteam waren sehr traurig darüber, dass der Beachhandball praktisch den ganzen Sommer ausgefallen ist. Dadurch war es umso schöner, dass wir das Stützpunktsystem auf die Beine stellen und so verhältnismäßig früh wieder einsteigen konnten – und wenn die Saison jetzt noch mit dem Highlight einer Europameisterschaft enden könnte, wäre das super.

Für die U16 wäre die EM der erste große internationale Wettkampf. Was bedeutet das für eure Vorbereitung?

Marten Franke:
Es ist eine Herausforderung. Ich bin daher froh, dass wir relativ viel und relativ regelmäßig mit den Jungs in den Stützpunkten arbeiten konnten. Wenn sie einmal die Woche das Deutschland-Shirt tragen und sich damit auch gedanklich auf die Europameisterschaft einstellen, entwickelt sich eine gewisse Mentalität.

Das ist natürlich nicht mit dem Anpfiff des ersten EM-Spiels zu vergleichen, aber es bereitet sie immerhin vor. Ich denke, dass wir mit dem Plan, den wir aufgestellt haben, wirklich gut fahren, um dann mit den Jungs gut gewappnet ins Turnier starten zu können.

Inwiefern ist es unter diesem Aspekt hilfreich, dass die Jungs bei den Stützpunkten mit Spielern zusammen trainieren, die in den vergangenen Jahren schon EM-Erfahrung gesammelt haben?

Marten Franke:
Das ist für unsere Jugendspieler und -spielerinnen ein riesiger Vorteil! Das war sicherlich auch ein zentraler Punkt, als wir das Stützpunkttraining geplant haben. Dadurch, dass die Nachwuchstalente nun mit den Aktiven zusammen trainieren, können sie ganz viel mitnehmen – sei es von der Technik oder der Taktik her, wo die älteren Spieler einfach weiter sind als auch von einer gewissen Raffinesse.

Die kommt im Beachhandball mit der Erfahrung und ist etwas, was man als Trainer gar nicht unbedingt beibringen kann. Diese Raffinesse entwickelt sich mit der Zeit und wenn die Jungs sich jetzt schon etwas abschauen können, ist das in jeglicher Hinsicht vorteilhaft.

Die männliche U16 hat, wenn ich das so formulieren darf, zwei große Blöcke – einer in Kelkheim und einer in Bremen. Hilft euch das auch bei der Vorbereitung?

Marten Franke:
Natürlich sind wir erstmal ganz froh, dass Konrad und ich als Verantwortliche für das U16-Team auch möglichst viele Spieler regelmäßig sehen können. Durch die relativ großen Blöcke können wir sicherlich mehr am Inhalt feilen als die Mannschaften, deren Spielerinnen und Spieler über das ganze Land und alle Stützpunkte verteilt sind. Es soll und darf umgekehrt natürlich kein Nachteil für die Spieler sein, die nicht bei uns im jeweiligen Stützpunkt sind.

Du hast den Vorbereitungsplan eben schon in einem Nebensatz erwähnt. Was sind die Eckpunkte auf dem Weg nach Silvi Marina?

Marten Franke:
Wir wollen Ende August einen relativ großen Lehrgang mit relativ vielen Spielern durchführen – ein zweitägiges Trainingslager und anschließend möglichst ein kleines Turnier, um erste Wettkampfpraxis zu sammeln. Außerdem wollen wir die Spieler dabei natürlich im direkten Wettkampf gegeneinander sehen, um danach entscheiden zu können, mit welchem Kader wir zur EM fahren. Anschließend werden wir noch einen kurzen Lehrgang hier im Norden durchführen, bevor es unmittelbar vor der EM zum Vorbereitungslehrgang nach Ismaning geht.

Auf deiner Liste stehen, das hast du im Vorgespräch gesagt, aktuell 22 Spieler. In welchen Schritten willst du den Kader über die drei Maßnahmen reduzieren?

Marten Franke:
Beim Lehrgang Ende August werden wir die Spieler noch einmal testen können, danach wird relativ schnell und unmittelbar die Entscheidung fallen müssen, weil wir die Spieler mit einem gewissen Vorlauf melden müssen. Wir haben also noch diese eine Möglichkeit für die Sichtung, danach werden wir die restlichen Maßnahmen mit den zwölf EM-Fahrern durchführen.

Trotz aller Ungewissheit, was Gegner und Modus angeht: Was erwartest du von deinen Spielern bei der Europameisterschaft?

Marten Franke:
Natürlich müssen die Grundlagen stimmen – beispielsweise die Einstellung, der Kampfgeist und der Teamgeist. Da mache ich mir aber eigentlich keine Sorgen. Gerade beim Teamgeist könnten wir ein paar Pluspunkte gesammelt haben, weil die Jungs sich jetzt eben schon länger kennen und durch das gemeinsame Training schon mehr harmonieren, als das möglicherweise bei anderen Nationen der Fall ist.

Ansonsten gewinnt in diesem jungen Alter häufig die Mannschaft, die den einen Fehler weniger macht – denn es passieren in diesem jungen Alter eben einfach auch noch Fehler. Daher wollen wir mit so viel Routine und Erfahrung wie möglich, die wir über die vielen Einheiten diesen Sommer sammeln konnten, so erfolgreich wie möglich abschneiden?

Was heißt das konkret?

Marten Franke:
Wir wollen uns – auch, wenn das IOC die Olympischen Jugendspiele 2022 abgesagt hat – natürlich weiterhin für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr qualifizieren. Der Halbfinaleinzug soll daher das Ziel sein.

Wie groß ist die Enttäuschung bei dir über die Absage der Spiele von Dakar – und wie haben die Spieler das aufgenommen?

Marten Franke:
Die Entscheidung ist relativ frisch, wir haben darüber noch nicht groß gesprochen. Der ein oder andere von den Jungs wird es aber sicherlich mitbekommen haben. Für mich persönlich war es schon eine sehr, sehr große Enttäuschung, aber für die Spielerinnen und Spieler tut es mir umso mehr leid.

Für sie war es einmalige Chance, die sie nur einmal in ihrem Leben haben. Daher ist es für sie schlimmer als für mich. Für jeden, der motiviert Sport treibt, kann es ein großes Ziel sein, zu Olympia zu fahren – sei es als Spieler oder als Trainer – und uu den Olympischen Spielen selbst ist es dann noch ein deutlich größerer Schritt als zu Jugend-Olmypia – zumal unsere Sportart noch nicht olympisch ist …

Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, ob Beachhandball olympische wird. Wie präsent ist dieses Thema bei dir – auch im Hinterkopf bei der Arbeit mit den Jungs, die 2024 vom Jahrgang her durchaus in Frage kämen?

Marten Franke:
Für jeden, der sich mit dem Thema Beachhandball auf nationaler Ebene ein bisschen mehr beschäftigt, ist das ein großes Thema. Jeder arbeitet dafür, diesen Sport so weit zu fördern und voranzutreiben und es international so angesehen zu machen, dass die Entscheidung Ende des Jahres für die Olympische Teilnahme fällt.

Es ist daher sicherlich ein Faktor, der im Hinterkopf immer eine Rolle spielt. Wir verfolgen seit dem letzten Jahr daher ja auch ganz klar das Ziel, den ein oder anderen der Jungs aus dem Jahrgang 2002/2003 in Richtung A-Nationalmannschaft zu bringen, was insgesamt ganz gut geklappt hat. Genauso soll es mittelfristig auch für den Jahrgang 2004/2005 laufen.

Zum Abschluss: Du bist nicht nur Nationaltrainer, sondern spielst auf den German Beach Open auch noch selbst. Wie ist der komplette Saisonausfall im Beachhandball für dich als Spieler zu verkraften?

Marten Franke:
Es schmerzt sehr. Man muss einfach selbst nach der großen, krasse Pause wieder etwas machen, um sich selbst zu bewegen. Neulich habe ich beim Stützpunkt mal mitgemacht, damit wir genug Spieler für ein vernünftiges Grundspiel im 4:3 waren – und da hat es direkt gekribbelt. Ohne Beachhandball fehlt einfach etwas in diesem Sommer. Ich bin daher umso glücklicher, dass es langsam wieder halbwegs normale Züge annimmt und wir zu einem normalen Training übergehen können.

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