Um die Saison nicht abbrechen zu müssen, wollen viele Verbände auf eine Art Freiwilligen-Modell setzen

Bremen. Das Timing hatte niemand gewollt, es könnte ungünstiger kaum sein. In etlichen Hallen-Sportarten ist der Ligabetrieb gerade wieder angelaufen. Oder soll es zumindest demnächst. Und genau in den Wochen, in denen Handballer, Volleyballer oder Basketballer wieder einsteigen wollen, steigen die Infektionszahlen. So ernst die Lage, so verschieden die Situationen. Es gilt zu unterscheiden zwischen Sport drinnen und Sport draußen, zwischen Spitzen- und Breitensport, zwischen Risikogebiet und niedrigem Inzidenzwert, zwischen Sport-Stopp wegen einer Ansteckung und einer Spielverlegung, weil jemand wegen der Kinder oder Arbeitskollegen in Quarantäne muss. Wer ein allgemeingültiges Stimmungsbild haben möchte, könnte diesen Satz nehmen: „Jetzt alles abzubrechen, wäre eine Katastrophe“. Ausgesprochen von Monika Wöhler, Präsidentin des Bremer Handball-Verbandes (BHV).

Monika Wöhler ist weit davon entfernt, Corona zu unterschätzen. Natürlich stellt sie nicht die Existenz von Vereinen oder die Motivation von Sportlern über die Gesundheit. Sie will die Schwierigkeit benennen, die sich vor allem für diejenigen ergibt, die weitreichende Entscheidungen zu fällen haben. Das BHV-Präsidium hat sich am Montagabend virtuell zusammengefunden, um zu beraten, wie in seinem Hoheitsgebiet weiter verfahren werden soll. Stefan Hüdepohl, Chef des niedersächsischen Verbandes HVN hatte so etwas wie einen Lockdown für Spiele in Risikogebieten vorgeschlagen. Die Bremer legten fest: Ist der Inzidenzwert (Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen) unter 50, wird weiter gespielt. Ist er – wie derzeit in Bremen der Fall – über 50, kann eine Mannschaft verzichten, was sie bis jeweils zum Mittwoch, 23.59 Uhr, gemeldet haben muss. Die Partie wird abgesetzt, nicht gewertet, nicht sanktioniert und kann verlegt werden.

„Ich halte es für denkbar, dass wir den Spielbetrieb in Gebieten, die eine Inzidenz von über 50 . . . haben, keine Spiele stattfinden lassen und auch keine Auswärtsspiele von Teams zulassen, die aus den Gebieten stammen.“ So wird Hüdepohl auf der HVN-Homepage zitiert. Bremen ist als eine Art Regionalverband in den HVN eingegliedert, die Konstruktionen im Volleyball und Basketball sind ähnlich. Den Spielbetrieb in den Bundesligen sowie der dritten Liga regelt der nationale Verband DHB, die Spielklassen darunter werden vom HVN beziehungsweise dann BHV betreut. Am Mittwoch will sich das HVN-Präsidium, zu welchem aus Bremen auch Monika Wöhler und Jens Schoof gehören, in Hannover treffen und über Hüdepohls Vorschlag beraten.

Der Mittwoch soll auch in anderen Landesverbänden ein weiterer Tag X werden. Vom nordwestdeutschen Volleyballverband wollen Vorstand und Spielausschuss tagen. Im Raum steht, sich dem Hamburger Modell anzuschließen, das ebenso die Freiwilligen-Regelung vorsieht. Ohne Sanktionen befürchten zu müssen, sollen Mannschaften beziehungsweise Vereine entscheiden dürfen, ob sie antreten wollen oder nicht. Generell müsse dies bis zu diesem Mittwoch gemeldet werden, je nach Pandemie-Dynamik könne danach noch an einzelnen oder mehreren Spieltagen oder auch für den Rest der Saison ausgestiegen werden. Bis jeweils zum Freitag vor dem Spieltag müsse dies angezeigt werden. So steht es auf der Internetseite der Hamburger.

Lars Thiemann, Präsident des Bremer Verbandes, gehört zu denjenigen, die eine solche Regelung eher begrüßen denn bekämpfen würden. „Ich finde daran gut, dass die Hamburger nicht gewartet haben, bis die Politik eine Vorgabe trifft“, sagt Thiemann. Der Hamburger sei in Anbetracht der Krise ein guter Weg, vor allem eben ein selbstbestimmter. Die Resonanz auf den Beschluss in der Volleyballszene, im Hamburger Landessportbund und auch in der Politik sei positiv.

Damit liegt Thiemann quasi auf einer Wellenlänge mit den Basketball-Entscheidern, zumindest mit denen in Niedersachsen und Bremen. Auch hier will man so lange weiterspielen lassen, so lange es von den Behörden nicht verboten ist. Das aber auf freiwilliger Basis. Das heißt, Mannschaften, die nicht antreten möchten, sollen keine Strafgebühren für eine Spielabsage oder Spielverlegung aufgebrummt bekommen. So erläutert es Thomas Behrens, der im Vorstand des Bremer Verbandes als Ressortleiter für den Spielbetrieb verantwortlich ist. Vizepräsident Carsten Bierwirth sagt, dass man die Saison, die üblicherweise bis zu den Osterferien abgeschlossen wird, notfalls auch darüber hinaus noch weiter bis ins Frühjahr oder den Frühsommer ausweiten könnte, falls jetzt im Winter zu viele Spiele verlegt werden müssen. Und falls am Ende der eine Verein mehr gespielte Spiele als der andere aufweisen würde, könnte es erneut zu einer Quotientenregelung kommen.

Auch im Bremer Fußballverband wird am Mittwoch virtuell getagt. Sondersitzung des Verbandsbeirates, Thema: Spielbetrieb unter Corona-Bedingungen. Das Problem für die Vereine, sagt Verbandssprecher Oliver Baumgart, sind weniger Infektionen, die durch einen kurzen Körperkontakt beim Kicken im Freien entstehen. Die würde es kaum geben, wie die jüngste Vergangenheit zeige. Vielmehr würden Quarantäne-Maßnahmen, die ihren Ursprung außerhalb des Platzes hätten, zu Spielabsagen führen. So wie in der Bremen-­Liga am Wochenende in zwei Fällen geschehen. Grob geschätzt, sagt Baumgart, würden pro Wochenende aber nur maximal zehn Spiele ausfallen. Bei rund 500 Partien in all den Senioren- und Jugendklassen.

Ein Teamsport, der sowohl im Freien als auch in der Halle im Ligabetrieb steht, ist Hockey. Martin Schultze vom Bremer HC weist darauf hin, dass draußen bislang nirgendwo ein Cluster entstanden sei. Der Club habe beschlossen, im Jugendbereich, auch im Training, weiter draußen zu bleiben und die Halle zu meiden. Im Leistungsbereich der Erwachsenen seien deutlich weniger Spieler gleichzeitig in der Halle. Ob es zu einer Hallenrunde mit Auf-und Abstieg kommt, soll in den nächsten Tagen beschlossen werden. Der BHC würde im Falle des Falles mitspielen.

Nächste Spieltermine

 

15:00
B-Jugend 2

ATSV Habenhausen — HC Bremen

16:30
1. Damen

HC Bremen — TSV Bremervoerde

19:30
1. Herren

SV Beckdorf — HC Bremen

12:30
wD-Jugend

SV Werder Bremen — HC Bremen

9:00
E2_jugend

ATSV Habenhausen — HC Bremen